Geisteswissenschaften Big Data

Big Data und Geisteswissenschaften – ein ungleiches Paar?

Schon lange beschränken sich Big Data-Technologien und Lösungen nicht mehr nur auf Bereiche wie Wirtschaft, Technik oder Medizin. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, die Chancen groß. Stichwort: Digital Humanities. Doch welche Möglichkeiten bietet uns diese besondere Schnittstelle zwischen innovativer Datenanalyse und Geisteswissenschaften? Und wie verändert sich das Berufsbild des klassischen Geistes- und Kulturwissenschaftlers in unserer digitalisierten Welt?

Digital Humanities – zwischen Gegenwart & Vergangenheit

Computergestützte Anwendungen und die Verwendung digitaler Ressourcen in den Geistes- und Kulturwissenschaften umfassen zahlreiche unterschiedliche Disziplinen und Einsatzbereiche. Eines der Größten und Bedeutendsten ist die Geschichtswissenschaft bzw. Archäologie, in der Dokumentation und Indexierung ohne IT-gestützte Verfahren gar nicht mehr möglich wäre.

Der Fokus liegt aber nicht nur auf Text Mining und anderen Suchverfahren. Forscher und Forscherinnen der École Polytechnique Fédérale de Lausanne und der Università Ca’ Foscari in Venedig verwirklichen gemeinsam eine beeindruckende Vision: Die „Venice Time Machine“. Durch die aufwändige und umfangreiche Analyse großer Mengen an archiviertem Material entsteht ein unglaublich detailliertes, digitalisiertes Modell des alten Venedigs. Im Zuge dieser Rekonstruktion der Vergangenheit werden unter anderem neue Zusammenhänge erkannt und Dokumente in zahlreiche Bilder verwandelt. Solche eindrucksvollen Projekte zeigen uns, dass Big Data nicht nur unsere Gegenwart und Zukunft, sondern eben auch unsere Vergangenheit berührt.

Computerlinguistik – Sprachwissenschaft & künstliche Intelligenz

Ein anderer Bereich der Geisteswissenschaften, nämlich die Sprachwissenschaft, bedient sich ebenfalls schon lange computergestützter Verfahren. In der Computerlinguistik beispielsweise befassen sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit algorithmischen Methoden zur Verarbeitung von Sprache. Bekannte Bereiche, die im alltäglichen Leben Verwendung finden sind unter anderem Spracherkennungssysteme (wie Siri) oder die computerunterstützte Übersetzung. Auch Techniken wie das Natural Language Processing verwenden neben künstlicher Intelligenz und Machine Learning auch Big Data-Technologien, unter anderem, um Textbedeutungen allumfassend begreifen und erkennen zu können.

Geisteswissenschaft & Big Data – Ein Berufsfeld im Umbruch

Die diversen Anwendungen von Datenanalyse und künstlicher Intelligenz in der Geschichts- und Sprachwissenschaft zeigen uns einmal mehr, dass Big Data und Geisteswissenschaften keinen Gegensatz bilden müssen. Ganz im Gegenteil, sie ergänzen sich und können im besten Fall voneinander profitieren.

Außerdem wird eben auch klar, dass digitale Kompetenzen im Berufsfeld der Geistes-und Kulturwissenschaften eine immer zentraler werdende Rolle spielen. Diese disziplinübergreifende Zukunftsorientiertheit bedeutet eine erhebliche Veränderung für den Tätigkeitsbereich der Geisteswissenschaftler- und Wissenschaftlerinnen. Aber sie öffnet eben auch ganz neue Türen.

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Foto: pexels.com, pixabay, CC0