digitalisierte Landwirtschaft

Landwirtschaft 4.0

„In gut 20 Jahren ist es soweit. Am 20. September 2040 schließt der letzte Landwirt seinen Betrieb. Und zwar für immer.“ Mit diesen Worten beginnt der Vortrag vom bayrischen Landwirt Georg Steinberger zum Thema „Big Data in der Landwirtschaft“.

1950 ernährte ein Landwirt gerade einmal 10 Menschen. Heute hingegen sind es 155. Grundlage dieses elementaren Fortschritts war die Mechanisierung. Was in früheren Zeiten Pferd und Fuhrkarre bewältigten, ist nun schon lange Aufgabe von effizienten Maschinen. Doch seit geraumer Zeit steht ein neuer grundlegender Wandel im Vordergrund: die Digitalisierung der Landwirtschaft, quasi eine Landwirtschaft 4.0.

Smart Farming – Was der Landwirt von heute anders macht

Die heutigen Landwirte arbeiten mit höchster Präzision, betreiben also Precision Farming. Grundlage dieser Präzisionslandwirtschaft bilden die enormen Mengen an Daten, die die Sentinel-Satelliten der EU täglich erfassen. So machen beispielsweise Düngekarten genau sichtbar wo der Agronom die größte Ernte zu erwarten hat und in Folge eben welche Bereiche die meisten Nährstoffe benötigen. Durch dieses präzise Bewirtschaften wird die Fläche so effizient wie möglich genutzt, was wiederum nicht nur die Umwelt schont, sondern auch den Geldbeutel des Landwirtes. Auch selbstfahrende Erntemaschinen, automatische Fütterungsanlagen oder pflanzenschutzsprühende Drohnen sind schon länger im Einsatz.

Die Frage nach dem “Wie”

Die Digitalisierung bedeutet also eine riesige Chance in Bezug auf Ressourcen- und Kosteneffizienz sowie umweltschonendes Wirtschaften. Doch entscheidend für die Zukunft der Landwirtschaft ist die Frage nach dem „Wie“. Wie gehe ich mit diesen Datenmassen richtig um?

Wo viele Daten erfasst und gespeichert werden, entsteht Potenzial; aber auch ein gewisses Risiko. Denn wenn die Produktionsprozesse automatisiert und gläsern werden, kann dann bald jeder Landwirt sein? Ohne das Fachwissen der Agronomen wird es auch in Zukunft nicht gehen, doch ein gewisses Maß an Kontrolle entschwindet. Kontrolle über die Landwirtschaft, Kontrolle über die Nahrungsproduktion.

Laut Georg Steinberger ist ein Zusammenschluss der Landwirte nötig, um den Schritt in die Digitalisierung gemeinsam zu meistern. Betriebs-und Geschäftsdaten müssen geschützt und Big-Data-Analysen transparent gemacht werden. Eigenständigkeit und Selbstbestimmung stehen im Fokus.

Und letztendlich bringt die transparente Digitalisierung den Verbraucher idealerweise näher an die Tätigkeiten der Agronomen heran, baut so sein Vertrauen auf und schafft eine völlig neue Wertschätzung der Landwirtschaft.

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Foto: shutterstock.com, Mr. Whiskey